Nun ist sie also da, die lange erwartete Studie des Medienhauses Wien zur Journalismusförderung.
Man merkt, dass mittlerweile das Marktversagen in der Medienbranche von einigen Beobachtern erkannt wurde. Der Abfluss von Werbegeldern weg von klassischen Werbeträgern und Medien hin zu zwei Big-Tech Giganten beschleunigt sich laufend. Erfreulich zu lesen ist, dass Journalismus gefördert werden soll. Nachrichten sind das Kernelement, wenn es um die demokratiepolitische Bedeutung von Medien geht. Und nur deswegen gehören Medien zur kritischen Infrastruktur und sind daher förderwürdig. Das sieht auch der Verbandes der Regionalmeiden (VRM) so.
Die Studie widmet dem bestehenden Fördersystem sehr viel Raum. Was aber nicht herausgearbeitet wird, ist beispielsweise, dass der Fonds zur Förderung der digitalen Transformation und damit etwa ein Viertel des gesamten Volumens bereits ausgelaufen ist und für 2027 nur noch geringe Restbeträge ausgeschüttet werden können. Derzeit ist nichts von einer Verlängerung oder neuerlichen Notifizierung zu hören. In der Studie könnte man im Kapitel "Redaktionelle Infrastrukturförderung" hineininterpretieren, dass unter diesem Titel vorgeschlagen wird, auch die benötigte Technik mit Förderungen zu hinterlegen.
Den Mitgliedern des VRM steht im aktuellen System nur noch die Qualitätsjournalismus-Förderung offen. Damit wird ein sehr großer und wesentlicher Teil des Marktes strukturell diskriminiert. Nachrichten aus der näheren Umgebung interessieren die Menschen laut unabhängiger Media-Analyse am meisten. 70% aller Österreicher:innen über 14 informieren sich in Zeitschriften und Magazinen über politische Entscheidungen und Entwicklungen in der Region. Und die kostenlosen Produkte der VRM-Mitglieder ermöglichen einen besonders einfachen und niederschwelligen Zugang zu diesen Informationen.
Dass die Studienautoren davon sprechen, dass eine Zustellförderung für eine Marktverzerrung sorgen würde und man vielmehr nur Digitalabos fördern sollte, ist vor diesem Hintergrund nicht im Mindesten nachvollziehbar. Einerseits diskutieren wir ein "Recht auf analoges Leben", anderseits nehmen wir den Menschen Druckprodukte weg.
Wenn nun aus dem Medienministerium verlautet wird, dass man die Erkenntnisse der Studie bis 2028 (mit Ausschüttung dann 2029?) umsetzen will, gewinnt man den Eindruck, dass die wirtschaftliche Dramatik der Medienhäuser doch noch nicht erfasst wurde. Welche klassischen Medienmarken einen Fördertopf für 2029 unter den aktuellen Rahmenbedingungen überhaupt noch erleben werden, ist höchst fraglich.
Friedrich Dungl
Geschäftsführender Präsident