Der Europäische Mediengipfel in Seefeld stand heuer ganz im Zeichen einer Branche im Umbruch – und selten zuvor war der Ton so eindringlich wie bei dieser Sonderedition, durch die Barbara Haid von der Kommunikationsagentur Promedia führte. Unter dem Eindruck globaler Plattformdominanz, schwindender Werbeeinnahmen und tiefgreifender technologischer Veränderungen diskutierten Spitzenvertreter aus Politik, Medienwirtschaft und Wissenschaft über die Zukunft des österreichischen Journalismus.
Besonders deutlich wurde dabei die Bedeutung regionaler Medien für Demokratie und Gesellschaft hervorgehoben. Tirols Landeshauptmann Anton Mattle sprach sich für stärkere Unterstützung regionaler Medienangebote aus und kündigte an, sich im Rahmen der Landeshauptleutekonferenz für ein klares Bekenntnis zu unabhängigen, regional geprägten Medien einzusetzen. Gleichzeitig forderte er bessere Fördermodelle, eine Digitalsteuer und mehr Medienkompetenz bei jungen Menschen.
NÄHE ZÄHLT. Im Zentrum der Diskussion über regionale Redaktionen standen vor allem die Aussagen von Friedrich Dungl vom Verband der Regionalmedien Österreich. Er betonte, dass Regionalzeitungen weit mehr seien als reine Informationsmedien. Gerade in Krisensituationen würden flächendeckende Regionalmedien eine entscheidende Rolle für die Kommunikation mit der Bevölkerung spielen. Das Hauptproblem liege laut Dungl weniger bei den Inhalten als vielmehr bei den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Deshalb brauche es dringend konkrete Vertriebsförderungen – ausdrücklich auch für Gratismedien.
ALARMIERENDE LAGE. Auch Xenia Daum von der Kleinen Zeitung unterstrich die besondere Stärke regionaler Medien. Leser suchten vor allem glaubwürdige Inhalte aus ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Erfolgreicher Journalismus brauche deshalb mehr Redakteure vor Ort und eine stärkere Nähe zu den Menschen. Regionalität könne gerade im digitalen Zeitalter zum wichtigsten Vorteil österreichischer Medien werden.
ENTSCHEIDENDE JAHRE. Eine zentrale Botschaft blieb des Mediengipfels deutlich sichtbar: Die österreichische Medienlandschaft steht unter enormem Druck, doch Untergangsstimmung allein greift zu kurz. Vielmehr entscheidet sich gerade jetzt, ob es gelingt, regionale Stärke, journalistische Qualität und digitale Transformation miteinander zu verbinden – und damit die Grundlage für unabhängige Medien auch in Zukunft zu sichern.
Noch bis Ende Juni steht Landeshauptmann Anton Mattle der Landeshauptleutekonferenz vor. Dort will er ein klares Bekenntnis zu einer unabhängigen, freien und insbesondere regional geprägten Medienlandschaft forcieren.
Sabine Egger
Geschäftsführerin bei Oberländer Rundschau GmbH
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